... zum 1. September

Der Weltfriedenstag mahnt uns in diesem Jahr 2019 in besonderem Maße, alles Erdenkliche zu unternehmen, um das Bekenntnis für Frieden, gegen Gewalt, Hass und Krieg und für Versöhnung zwischen den Völkern zu fördern. Wir wertschätzen Bemühungen um Verständigung und Befriedung, die von Menschen in den vom Deutschen Reich überfallenen und zerstörten Ländern ausgehen.

 

Der Überfall auf Polen am 1. September 1939 war ein weiterer, verbrecherischer Schritt in dem seit 1933 zunehmend aggressiven Streben des Deutschen Reiches nach Weltmacht und der Erschließung von "Lebensraum". Die Nationalsozialisten machten die besetzten Gebiete Polens – angetrieben von ihrer mörderischen Ideologie - zum Experimentierfeld ihrer rassistisch motivierten Vernichtungspolitik, die sie im späteren Russland-Feldzug fortführten und die seit 1942 in der millionenfachen Ermordung europäischer Juden in den Vernichtungslagern der besetzten Gebiete Polens gipfelte.

Unbeschreiblich war das Leid, das in deutschem Namen über die Welt gebracht wurde, die Schreie der Ermordeten, der Gequälten, der Zerfetzen und der Vertriebenen sind kaum verhallt.

Doch nach all diesem Leid, den Verbrechen gab es Hoffnung auf Versöhnung: unmittelbar nach der Zerstörung der Kathedrale von Coventry (Großbritannien) am 15. November 1940 durch deutsche Bombenangriffe ließ der Dompropst Richard Howard die Worte „Vater vergib“ in die Chorwand der Ruine meißeln. Im Jahr 1958, achtzehn Jahre nach dem schrecklichen Bombenangriff und der Zerstörung der St. Michael’s Cathedral geht ein Gebet um die Welt, das diese Bitte aufnimmt, konkretisiert und die Aufgabe der Versöhnung in der weltweiten Christenheit umschreibt.

 

Versöhnungslitanei von Coventry

Alle haben gesündigt und ermangeln des Ruhmes, den sie bei Gott haben sollten.

                                                                                                                                    Römer 3, 23

Den Hass, der Rasse von Rasse trennt, Volk von Volk, Klasse von Klasse,

Vater, vergib.

Das Streben der Menschen und Völker zu besitzen, was nicht ihr Eigen ist,

Vater, vergib.

Die Besitzgier, die die Arbeit der Menschen ausnutzt und die Erde verwüstet,

Vater, vergib.

Unseren Neid auf das Wohlergehen und Glück der Anderen,

Vater, vergib.

Unsere mangelnde Teilnahme an der Not der Gefangenen, Heimatlosen und Flüchtlinge,

Vater, vergib.

Die Gier, die Frauen, Männer und Kinder entwürdigt und an Leib und Seele missbraucht,

Vater, vergib.

Den Hochmut, der uns verleitet, auf uns selbst zu vertrauen und nicht auf Gott,

Vater, vergib.

 

Seid untereinander freundlich, herzlich und vergebet einer dem anderen, wie Gott euch vergeben hat in Jesus Christus.                                                               Epheser 4, 32