9. November 2020, Villa Rosenthal, 17:45 Uhr

 

Klang der Stolpersteine

 

Würdigung des Wirkens und des Andenkens Eduard Rosenthals

 

 

Dr. Eduard Rosenthal – ein ins Vergessen gedrängter Ehrenbürger Jenas und Verfassungsvater

Dr. Eduard Rosenthal (1853 – 1926), Professor der Universität und deren zweimaliger Rektor, hat das öffentliche Leben in Jena und Thüringen nachhaltig geprägt: als fortschrittlicher Demokrat und  Abgeordneter des Landtages, Impulsgeber seines Faches, Mitbegründer der Volkshochhochschule, der Jenaer Baugenossenschaft, Gründungsmitglied und langjähriger Vorsitzender des Jenaer Kunstverein - in beispielhafter und am Gemeinwohl orientierten Weise hat Dr. Eduard Rosenthal Unternehmungen in Gang gebracht, von denen die Einwohner der Stadt Jena heute noch profitieren, zum Beispiel von der heutigen Ernst-Abbe-Bücherei und der Lesehalle. Für Rosenthal ist diese ein kultureller Ort, in dem demokratischer Diskurs und ein daraus erwachsendes Toleranzverständnis gegenüber Andersdenkenden entstehen können.

1919 bringt Rosenthal den von ihm entworfenen Verfassungsentwurf ein, der in einer Überarbeitung 1921 als erste Verfassung des Landes Thüringen angenommen wird. Mit den wesentlichen verfassungsrechtlichen Prinzipien seiner Arbeit, die auch heute noch tragende Säulen der Thüringer Verfassung sind, gilt er heute gemeinhin als »Vater der Thüringer Verfassung«.

Wissenschaftlich, politisch und kulturell hat sich Rosenthal mit seinem Lebenswerk um das Land Thüringen und speziell die Stadt Jena verdient gemacht. Weil er Jude war, haben die Nationalsozialisten ihn aus dem kollektiven Gedächtnis der Stadt und der Universität zu löschen versucht, sein Andenken wurde an der FSU mit der Entfernung seines Porträts aus der Galeriesammlung der Rektoren zerstört. Es ist bis heute verschollen. Lange, allzu lange hat es gedauert, bis das Fehlen von Rosenthals Porträt schmerzlich empfunden wurde.

Clara hat ihren Ehemann um 15 Jahre überlebt. Als Witwe durch willkürliche Kürzung der Pension in wirtschaftlicher Not, überschrieb sie die Villa der Stadt, sicherte sich aber ein lebenslanges Wohnrecht. Mit der Machtübernahme der Nazis begannen die Repressionen: Konzert- und Aufführungsverbot, Telefon und Grammophon wurden konfisziert;  1939 versuchte man eine Enteignung, was aber dank dem Einspruch des Jenaer Rechtsamtes misslang. Im November 1941 nahm sie sich in ihrer Villa das Leben, um der Deportation zu entgehen. 

In einem besonderen Kunstprojekt wird an Eduard Rosenthals Hauptwirkungsstätten mit »Erkundungsbohrungen ein starkes Bild für die notwendige Suche nach dem ins Vergessen gedrängten Eduard Rosenthal und seine gleichzeitige Neuentdeckung« geleistet.

                             Nähere Informationen zur Person und zum Denkmal finden Sie hier.

 

Gemeinsam mit der Kantorei gestalten wir das Gedenken an der Villa Rosenthal:

                               Ansingen:                                         17:15 Uhr

                               Beginn der Veranstaltung:          17:45 Uhr

                               danach Gedenkveranstaltung am Westbahnhof

 

Besucher und Mitwirkende sind herzlich willkommen.

 

                                         Nähere Informationen zum Gesamtprogramm finden Sie hier.